Studiendaten zeigen: Hundehalter sind gesünder, leben länger und können ihren Alltag besser meistern. Warum also nicht Hund oder Katze N1 auf Rezept?
Der Hund ist nicht nur der beste Freund des Menschen. Seine Gesellschaft könnte sich auch positiv auf die Herzgesundheit seines Halters auswirken und sogar dessen Leben verlängern. So das Ergebnis einer prospektiven Registerstudie und einer Metaanalyse, in denen die kardiovaskulären Risiken und das Überleben von Hundebesitzern untersucht worden sind.
Das Fazit der Studienautoren um Dr. Glenn N. Levine: Das Halten eines Hundes ist mit einer verminderten kardialen sowie allgemeinen Mortalität verbunden.
„Diese Studien liefern gute, qualitativ hochwertige Daten, die andeuten, dass das Halten eines Hundes mit einer verminderten kardialen sowie allgemeinen Mortalität einhergeht“, kommentiert Dr. Levine. Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe hat die wissenschaftliche Empfehlung der American Heart Association (AHA) zum Besitz von Haustieren verfasst.
Zwar könne man aus den Studien keine Kausalität ableiten, jedoch sei diese stabile Evidenz ein Indikator dafür, dass das Halten eines Hundes zu einer verminderten Sterblichkeit führe.
Basierend auf früheren Studien, die gezeigt hatten, dass sich soziale Isolation und ein inaktiver Lebensstil negativ auswirken, wollten Wissenschaftler herausfinden, inwiefern Hundebesitzer von der Gesellschaft ihres Vierbeiners in gesundheitlicher Hinsicht profitieren können.
Forscher in Toronto haben in einer Metaanalyse 10 Studien mit einem Follow-up von 1 bis 22 Jahren analysiert.
Es wurde der Zusammenhang von Hundebesitz und Sterblichkeit untersucht. „Hundebesitzer leben länger“, so das Resümee der Studienautorin Dr. Caroline K. Kramer. Herrchen und Frauchen von Hunden haben einen geringeren Blutdruck, niedrigere Cholesterinwerte und somit eine günstigere kardiale Prognose. Basis der Studie waren Daten von mehr als 3,8 Millionen Patienten aus 10 prospektiven Studien. In 9 davon wurde das Überleben von Hundehaltern und Menschen ohne Hund verglichen. In 4 Studien ging es um das kardiovaskuläre Outcome.
Mit Hund kommt es zu einer Verringerung des allgemeinen Mortalitätsrisikos um 24 Prozent. Das Mortalitätsrisiko nach einem Herzinfarkt sinkt um 65 Prozent und die Herz-Kreislauf-Mortalität sinkt insgesamt um 31 Prozent.
Unklar ist, warum ein Hund das Leben verlängert. Leben Haustierbesitzer gesünder? Ernähren sie sich anders? Spielt das „Gassie-gehen“ an der frischen Luft eine Rolle? Es wird schwierig sein, diese Kausalität zu analysieren.
„Der nächste Schritt wäre eine Interventionsstudie, die die kardiovaskulären Auswirkungen nach dem Erwerb eines Hundes sowie die sozialen und psychologischen Vorzüge von Hundehaltern analysiert“, so der Vorschlag der Studienautorin, Endokrinologin und Hundebesitzerin.
Die größte Studie einer Metaanalyse stammt vom schwedischen Forscherteam um Dr. Mwenya Mubanga von der Universität in Uppsala. Die Wissenschaftler untersuchten, ob sich die Anschaffung eines Hundes nach einem kardiovaskulären Ereignis auswirkt. 181.696 Herzinfarktpatienten, 5,7 Prozent davon Hundebesitzer, sowie 154.617 Schlaganfallpatienten, 4,8 Prozent davon Hundebesitzer wurden in die Analyse einbezogen.
Die Überlebenschancen der Hundebesitzer waren erheblich besser. Besonders bei Hundehaltern ohne Partner oder Familie. Das Sterblichkeitsrisiko der Infarktpatienten, die nach dem Infarkt alleine, aber mit Hund lebten, war um 33 Prozent geringer im Vergleich zu denen, die mit Partner oder Kind lebten.
Auch Patienten nach einem Apoplex profitierten vom Haustier. Erstaunlich ist, dass das Mortalitätsrisiko mit einem Hund stärker sinkt als mit einem Partner oder Kind. Bei Hundehaltern sank der Wert um 27 Prozent, bei Betroffenen mit Partner oder Kind waren es lediglich 12 Prozent weniger als bei Patienten ohne Hund.
Die Arbeitsgruppe um Prof. Tove Fall der Universität Uppsala vermutet, dass Hundebesitzer mehr sozial integriert sind. Eine psychosoziale Gesundheit trägt auch dazu bei, cerebralen und kardialen Erkrankungen vorzubeugen.
Das Hundehaltung auch langfristig mit einem geringeren Todesrisiko verbunden ist – möglicherweise durch eine Verringerung der kardiovaskulären Mortalität – suggeriert eine Studie von Kramer et al.
Einerseits können Haustiere die Mortalitätsrate von Gesunden und/oder Herz- oder Infarktpatienten mindern. Andererseits existieren aber auch zahlreiche Anwendungsgebiete für medizinische Assistenzhunde. Am bekanntesten dürfte der Blindenhund sein, der Herrchen oder Frauchen sicher durchs Gelände begleitet.
Ähnlich wie Hunde, die darauf trainiert sind, Schmuggelware aufzuspüren, werden Diabetes-Warnhunde konditioniert, um mit einem spezifischen Alarmverhalten zu reagieren, wenn der Blutzuckerspiegel ihrer Besitzer aus einem Zielbereich fällt.
Speziell geschulte Hunde warnen aber auch vor einem nahenden epileptischen Anfall.
Rooney et al. untersuchte mit welcher Treffsicherheit Hunde Hypo- aber auch Hyperglykämien erkennen und den Besitzer warnen.
Die Autoren von der Bristol Veterinary School untersuchten 28 Hunde und ihre Halter sowie mehr als 4.000 hypo- und hyperglykämische Episoden. Die mittlere Empfindlichkeit für alle Episoden einer diabetischen Entgleisung lag bei 70 Prozent. Betrachtet man jedoch nur die Sensibilität für niedrige Glukosespiegel lag der Mittelwert bei 83 Prozent.
Es ist möglich, dass sich Hunde bei der Reaktion auf hohe Blutzuckerwerte stärker auf die Verhaltenshinweisen der Bezugsperson verlassen. Niedrige Blutzuckerwerte werden jedoch vorwiegend olfaktorisch erkannt.
Eine ganz andere Aufgabe kann ebenfalls von Therapiehunden übernommen werden: Angst mindern. In einer Berliner Zahnarztpraxis „arbeitet“ Peppi, eine Promenadenmischung: sie soll Kindern aber auch Erwachsenen die Angst vor Bohrer und Zange nehmen.
Bei sensiblen Patienten oder Patienten mit schlechter Vorerfahrung beim Zahnarzt soll durch den Bezug zum Tier wieder neue Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen werden, so die Zahnärztin Dr. Birte Habedank. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Begleitung des Therapiehundes nicht. Inclusive ist ein Erinnerungsfoto des Patienten mit Peppi.
Die Investition von bis zu 25.000 € in einen Assistenzhund lohnt sich. Menschen mit schweren Behinderungen profitieren erheblich von Signalhunden für Gehörlose, Servicehunden für den körperlichen Bereich, Diabetes- und Epilepsiehunden. Die Tiere steigern das Wohlbefinden sowie die körperliche Aktivität ihrer Halter. Sie können dazu beitragen, deren Unabhängigkeit zu steigern und das Risiko für soziale Isolation zu senken.
Das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum stellt umfangreiche Informationen zum Thema bereit.
Zahlreiche Projekte belegen, dass Hunde in der Diagnose und Therapie herausragende Leistungen vollbringen können. Die Tiere riechen 10.000 bis 100.000 mal besser als Menschen. Sie können nicht nur Drogen und Sprengstoff erschnüffeln, sondern auch Krebs.
Zwar können die Kosten für einen Therapiehund von der Steuer abgesetzt werden, aber die Anschaffung wird von den Krankenkassen meist nicht gezahlt. Das Problem sind nicht die Kosten für die Haltung, sondern für die Ausbildung, die erhebliche Summen verschlingen. Lediglich bei Assistenzhunden bei Sehbehinderten beteiligen sich die Krankenkassen. Ein tierisches Problem für alle anderen Patienten.
Bildquelle: Delphine Beausoleil, unsplash