Je besser ein Krankenhaus in Qualitäts-Audits abschneidet, desto mehr Infektionsfälle werden nach chirurgischen Eingriffen entdeckt. Das hat ein Schweizer Forschungsteam jetzt herausgefunden.
Ein Forschungsteam hat einen Zusammenhang zwischen der erfassten Infektionshäufigkeit nach ausgewählten Eingriffen und dem Abschneiden in Qualitäts-Audits gefunden. Beteiligt waren das Inselspital, Universitätsspital Bern und die Universität Bern. Tiefere Infektionsraten nach Operationen korrelieren mit einem tiefen Audit-Score. Oder umgekehrt: Wer genauer hinschaut, findet häufiger Infektionen. Die Forscher machen Vorschläge für eine mögliche Verbesserung der Infektionsraten.
Das Auftreten von Infektionen nach chirurgischen Eingriffen (postoperative Wundinfektionen oder Surgical Site Infections, SSI) ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Behandlung in Krankenhäusern. Eine 2017 veröffentlichte Übersichtsarbeit in sechs europäischen Ländern dokumentierte hohe Kosten und teils wesentlich schlechtere Operationsergebnisse aufgrund von SSI. Europäische und US-amerikanische Behörden haben Vorgaben zur Erfassung und Dokumentation der SSI-Rate (Häufigkeit von SSI im Verhältnis zu Eingriffen) erarbeitet. Für die Schweiz wurde untersucht, wieweit die offiziell erfassten SSI-Raten mit den Auditergebnissen in Krankenhäusern korrelieren.
Die Studie konnte einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer tiefen postoperativen Infektionsrate (SSI-Rate) und dem Ergebnis der Überprüfung von deren Überwachung im Rahmen eines Audits (Audit-Score) feststellen. Je besser ein Krankenhaus im Rahmen des 50-Punkte-Audits abschnitt, desto mehr Infektionsfälle waren entdeckt bzw. gemeldet worden. Dies traf auf alle drei untersuchten Operationsarten zu (Knie- und Hüftimplantate sowie Dickdarmoperationen). „Die Studie zeigt, dass bei der Interpretation von postoperativen Wundinfekten grundsätzlich auch die Qualität der jeweiligen Überwachungssysteme zu berücksichtigen ist und das unabhängig von der Art des Eingriffs und der Infektionsrate“, so Erstautor Andrew Atkinson.
Analysiert wurden 81.957 Hüft- und Knieoperationen aus 125 Krankenhäusern und 33.315 Dickdarmoperationen aus 110 Krankenhäusern der Schweiz. Es wurden pro Standort mindestens zwei externe Audits durchgeführt, um die Qualität der Überwachung zu erfassen. Grundlage für die Arbeiten waren die Richtlinien von Swissnoso. Die detaillierten Auditergebnisse wurden in einer Gesamtnote zwischen 1 und 50 zusammengefasst. Die Audits wurden von drei speziell geschulten Fachleuten durchgeführt.
Die nachfolgenden Werte beziehen sich auf den Median der Ergebnisse. Die SSI-Rate für Knie- und Hüftimplantate lag bei 1 % mit einem Audit-Score von 37. Die Infektionsrate für Dickdarmoperationen lag erwartungsgemäß höher bei 12,7 % bei einem leicht höheren Audit-Score von 38. Es zeigte sich, dass höhere Infektionsraten mit höheren Audit-Scores korrelierten. Die einzelnen Werte der Krankenhäuser lagen teils sehr weit auseinander. Bei einer Auswertung nach Krankenhaustypen ergaben sich Hinweise, dass private Einrichtungen einen Cluster bilden, der im unteren Bereich der Audit-Scores und der Infektionsraten liegt.
Das Forschungsteam macht einen konkreten Vorschlag für künftige Auswertungen und nationale Vergleiche von SSI-Raten. Eine rechnerische Korrektur (Normalisierung) unter Einbezug des Audit-Scores wird zur Diskussion gestellt, um möglichst ein realitätsnahes, korrektes Benchmarking zu ermöglichen. „Erstmals haben wir mit dieser Studie eine Grundlage, um die Infektionszahlen schweizweit vergleichbarer zu machen und besser zu verstehen. Nun müssen wir uns anstrengen, dass die regelmässigen Vergleiche unter den Schweizer Spitälern noch aussagekräftiger und der Ansporn ganz vorne mitzumachen noch grösser werden“ , sagt Prof. Jonas Marschall, Infektiologe am Inselspital.
Die zugehörige Studie haben wir euch im Text und hier verlinkt. Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Universitätsspitals Bern.
Bildquelle: National Cancer Institute, unsplash