In Dortmund protestieren radikale Christen gegen eine neue Abtreibungsklinik. Die Praxisinhaberin will sich das aber nicht gefallen lassen. Welche Konsequenzen der Konflikt für Patientinnen hat, erfahrt ihr im Artikel.
Stellt euch vor: Jeden Tag auf dem Weg zur Uni, bei der Mittagspause in der Apotheke oder nach einem anstrengenden Dienst auf Station empfangen euch Demonstrationen und Kritiker eurer Arbeit. Genau das erlebt aktuell Gabie Raven. Die Gynäkologin eröffnete erst vor kurzem ihre Gynaikon Praxisklinik in Dortmund. Doch immer wieder versammeln sich radikale Christen vor ihrer Praxis, weil sie gegen die von der Niederländerin angebotenen Schwangerschaftsabbrüche protestieren. Doch nun treten Gegendemonstranten auf den Plan.
Hetze kennt Raven bereits von Demonstrationen in den Niederlanden. Dort betreibt sie zwei weitere Abtreibungskliniken in Rotterdam und Roermond. Auch in Dortmund begegnen ihr Parolen wie „Kindermord“ und „Babycaust“ vor ihrer Praxis. Was die Ärztin besonders überrascht: wie aktiv und hetzerisch die Demonstranten sich auch gegen Patientinnen richten. Aus Furcht, dass die Demonstrationen in Gewalt ausarten, verschickte die Gynäkologin Briefe mit Vorsichtsmaßnahmen an Mitarbeiter und Patientinnen. Laut Praxis seien als Sicherheitsmaßnahmen ein zweiter anonymer Eingang geschaffen und Rundnachrichten über vorangemeldete Demos der Abtreibungsgegner eingerichtet worden.
Mitarbeiter und Patientinnen setzten jetzt mit Gegendemonstranten ein Zeichen. Auch Organisationen und Befürworter des Rechtes auf sexuelle Selbstbestimmung betroffener Frauen solidarisierten sich bei den Gegendemos. In einem Interview mit Der Westen fasst die Gynäkologin die Situation und den Konflikt folgendermaßen zusammen: „Wir sprechen zwei unterschiedliche Sprachen. Ich bin überzeugt, Frauen zu helfen. Sie glauben, dass wir Babys ermorden.“
Ihre Dortmunder Praxis eröffnete Raven, weil der Bedarf in Deutschland so groß sei. Umso schlimmer, dass sie mit solch einem Rückschlag empfangen wird. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im Jahre 2003 noch etwa 2.050 Praxen und Kliniken, die eine Abtreibung durchführen. Ende 2020 waren es nur noch 1.109 – das entspricht einem Rückgang von 46 Prozent.
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