Etwa jeder fünfte Erwachsene knirscht unbewusst mit den Zähnen. Doch was sind eigentlich die Ursachen und wie lässt sich Bruxismus am besten in den Griff kriegen – mittels Okklusionsschiene oder doch Botox-Spritze?
Bruxismus, das unbewusste Zähneknirschen oder -pressen, stellt ein weit verbreitetes Problem dar, das sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen kann. Die chronische Überaktivität der Kaumuskulatur kann zu erheblichen Zahnschäden, Kiefergelenksstörungen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen führen.
Die genauen Ursachen von Bruxismus sind noch nicht vollständig geklärt, aber verschiedene Faktoren können dazu beitragen:
Die Prävalenz von Bruxismus variiert je nach Studie und Altersgruppe: Bei Kindern tritt Bruxismus relativ häufig auf, besonders im Vorschulalter. Schätzungen zufolge knirschen etwa 14–18 % der Kinder gelegentlich mit den Zähnen. Bei Erwachsenen beträgt die mittlere Prävalenz etwa 20 %, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt. Bei älteren Erwachsenen über 65 Jahren tritt Bruxismus seltener auf, mit einer Prävalenz von etwa 3 %.
Die Behandlung von Bruxismus zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, Schäden zu minimieren und mögliche Ursachen zu adressieren. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
Eine häufig verwendete Methode ist die Verwendung von maßgefertigten Kunststoffschienen, die nachts getragen werden, um die Zähne zu schützen und den Druck zu verteilen.
Techniken zur Stressbewältigung wie Entspannungsübungen, Meditation, Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie (CBT) können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Bruxismus zu reduzieren.
In einigen Fällen können Medikamente wie Muskelrelaxantien, Botulinumtoxin-Injektionen oder niedrig dosierte Antidepressiva verschrieben werden, um die Muskelaktivität zu reduzieren.
Bei einigen Patienten kann eine zahnärztliche Behandlung notwendig sein, um die Okklusion zu korrigieren und damit Bruxismus zu vermindern.
Übungen zur Stärkung der Kiefermuskulatur und zur Entspannung können bei einigen Patienten ebenfalls wirksam sein.
Die Erfolgsquote konservativer Behandlungen von Bruxismus variiert je nach Art der Behandlung und den individuellen Umständen des Patienten. Zu den gängigen konservativen Behandlungen zählen die Verwendung von Aufbissschienen (Okklusionsschienen), Stressmanagement- und Verhaltensänderungstechniken, Physiotherapie und in einigen Fällen auch medikamentöse Ansätze.
Okklusionsschienen: Aufbissschienen sind eine weit verbreitete konservative Behandlungsoption, die in vielen Fällen erfolgreich ist, um Zahnschäden zu verhindern und die Symptome von Bruxismus zu lindern. Studien zeigen, dass etwa 70–90 % der Patienten mit Aufbissschienen eine signifikante Linderung der Symptome erfahren, insbesondere in Bezug auf Zahnverschleiß und Kiefergelenkschmerzen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Manfredini et al. ergab, dass Aufbissschienen eine effektive Methode zur Reduktion der Muskelaktivität und zur Prävention von Zahnschäden darstellen, obwohl sie die Ursache des Bruxismus nicht direkt beheben.
Verhaltensänderung und Stressmanagement: Stressmanagement und Verhaltenstherapie können bei stressinduziertem Bruxismus effektiv sein. Diese Techniken helfen, die Häufigkeit und Intensität des Bruxismus zu reduzieren. Die Erfolgsrate hängt hierbei stark von der individuellen Teilnahme und dem Engagement des Patienten ab und liegt in Studien oft bei 60–80 %. Laut Glaros et al. zeigt eine kontrollierte Studie, dass Biofeedback-Therapie, eine Form der Verhaltenstherapie, eine signifikante Reduktion der Bruxismus-Episoden während des Schlafs bewirken kann.
Medikamentöse Therapie: Medikamentöse Behandlungen wie Muskelrelaxantien, Botulinumtoxin-Injektionen und in einigen Fällen niedrig dosierte Antidepressiva können kurzfristig wirksam sein, um die Symptome zu lindern, insbesondere bei nächtlichem Bruxismus. Die Erfolgsraten variieren, aber Botulinumtoxin-Injektionen können bei 70–80 % der Patienten eine signifikante Reduktion der Muskelaktivität bewirken. Fricton et al. (2014) berichteten in einer Übersichtsarbeit über die Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei der Reduktion der Muskelaktivität und Schmerzen im Zusammenhang mit Bruxismus.
Physiotherapie und Muskelentspannungsübungen: Physiotherapeutische Ansätze und gezielte Muskelentspannungsübungen können bei Patienten mit Bruxismus, der durch Muskelverspannungen verursacht wird, effektiv sein. Studien berichten über eine Erfolgsquote von etwa 50–70 % bei der Reduzierung der Symptome. Laut einer Studie von Lobbezoo et al. können regelmäßige physiotherapeutische Übungen und Massagen der Kiefermuskulatur eine signifikante Reduktion der Bruxismus-Symptome bewirken.
Quellen:
Manfredini et al. Dental occlusion, body posture and temporomandibular disorders: where we are now and where we are heading for. Journal of Oral Rehabilitation, 2012. doi: 10.1111/j.1365-2842.2012.02291.
Glaros et al. Longitudinal Multilevel Modeling of Facial Pain, Muscle Tension, and Stress. Journal of Dental Research, 2016. doi: 10.1177/0022034515625216
James Fricton. Temporomandibular Disorders: A Human Systems Approach, Journal of the California Dental Association, 2014. doi: 10.1080/19424396.2014.12221399
Lobbezoo et al. Bruxism defined and graded: an international consensus. J Oral Rehabil, 2013. doi: 10.1111/joor.12011.
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